Arbeitsmedizin bietet spannende Promotionsthemen“

Franca Reineke, Doktorandin der Arbeitsmedizin

Dass sie Medizin studieren würde, stand nach dem Abitur noch nicht fest: 2012 absolvierte Franca Reineke zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr. Die Wahl fiel auf eine sozialpsychiatrische Tagesstätte in Düsseldorf. „Das war Zufall“, lacht die 26-Jährige. „Da war grad was frei.“ Zum Glück: Denn damit war ihr Interesse an Psychologie und Psychiatrie geweckt.

Im Medizinstudium zur Doktorarbeit in Arbeitsmedizin

Im Medizinstudium lernte sie das Fachgebiet Arbeitsmedizin kennen. Gleich eine der ersten Vorlesungen handelte von den psychischen Belastungen am Arbeitsplatz. Für Franca Reineke eine Überraschung: „Ich wusste gar nicht, dass man sich in der Medizin auch außerhalb der Fachgebiete Psychologie und Psychiatrie mit psychischen Erkrankungen und Belastungen beschäftigen kann“, erzählt sie. „Den arbeitsmedizinischen Ansatz fand ich spannend: wie man die Wechselwirkung zwischen Arbeitsbedingungen und gesundheitlichen Belastungen analysiert und entsprechende Schutzmaßnahmen entwickelt.“

So lag es nahe, auf der Suche nach einem Promotionsthema auch beim Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin vorstellig zu werden – was Franca Reineke allen Studierenden empfiehlt: „Da die Arbeitsmedizin anders als die vielen klinischen Fächer in der Medizin ihren Schwerpunkt in der Prävention von Erkrankungen hat, sieht die Arbeit in dem Institut auch ganz anders aus als in der Klinik. Es wird viel geforscht und man wird als Doktorand gut betreut. Ich habe für meine Fragen immer Ansprechpartner, mein Doktorvater, Herr Professor Dr. Angerer, und die Betreuer nehmen sich viel Zeit für die Doktorandinnen und Doktoranden.“ Darüber hinaus biete die Arbeitsmedizin eine Fülle an spannenden Themen und arbeite interdisziplinär mit anderen medizinischen Fachgebieten und Disziplinen wie der Psychologie, Soziologie, Epidemiologie und Statistik, Informatik, Biologie und Toxikologie zusammen.

Das Promotionsstipendium der Arbeitsmedizin: 12 Monate lang 300 Euro

Über das Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität Düsseldorf erfuhr Franca Reineke auch von den Fördermöglichkeiten des Aktionsbündnisses Arbeitsmedizin: Sie erhält zwölf Monate 300 Euro, um ihre Doktorarbeit abzuschließen. Darüber hinaus nimmt sie am jährlichen Symposium der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) in München teil, auf dem aktuelle arbeitsmedizinische Entwicklungen diskutiert und die Tätigkeit praxisnah erlebt werden kann. „Das ist das Schöne an dem Stipendium“, sagt Franca Reineke. „Man wird nicht nur finanziell unterstützt, sondern erhält auch einen Einblick in die praktische Tätigkeit von Arbeitsmedizinerinnen und Arbeitsmedizinern.“

In ihrer Doktorarbeit forscht Franca Reineke über die Akzeptanz von psychosomatischen Sprechstunden im Betrieb (PSiB). Hintergrund ist, dass immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unter berufsbedingten psychischen Belastungen und Erkrankungen leiden. Die PSiB sind zeitgemäße Instrumente betrieblicher Präventionsarbeit. Sie sind ein professionelles Hilfsangebot für betroffen Beschäftigte und können dazu beitragen, diese Belastungen zeitnah aufzufangen. An der Hochschule Düsseldorf HSD mit ihren rund 800 Beschäftigten, die arbeitsmedizinisch durch das Institut betreut werden, wird die PSiB seit 2018 erprobt und erforscht. Im Team mit der Fachärztin für Arbeitsmedizin und Betriebsärztin der Hochschule Gesine Müting sowie den Psychologinnen und psychologischen Psychotherapeutinnen Dr. Renate Schmook und Dr. Britta Worringer geht Franca Reineke der Frage nach, wie das Angebot gestaltet sein muss, damit es angenommen wird und die Beschäftigten sich nicht stigmatisiert fühlen.

Francas Reinekes Rat an Promovierende: Auf zur Arbeitsmedizin!

Wer ein Promotionsthema sucht, sollte die Arbeitsmedizin also nicht vergessen, rät Franca Reineke. Wer sich dann noch um ein Promotionsstipendium vom Aktionsbündnis bemühe, könne so das Fachgebiet besser kennen lernen. „Für mich ist die Arbeitsmedizin dadurch erst in den Focus gerückt“, sagt Reineke.

Ob sie später als Arbeitsmedizinerin arbeiten will, wisse sie noch nicht. Jetzt stehe zunächst das Praktische Jahr und anschließend die Weiterbildung zur Fachärztin an. Ausgeschlossen sei das aber nicht: „Arbeitsmedizin bleibt eine Option. Jetzt aber will ich erst einmal klinische Erfahrung sammeln. Gerade in Unternehmen wird man mit der ganzen Bandbreite an Erkrankungen konfrontiert, die Wissen und Erfahrung in den entsprechenden Fachgebieten voraussetzt. Da wird es gut sein, wenn ich einige Jahre in einer Klinik gearbeitet habe.“

Curriculum Vitae

Studium und Ausbildung. *1993 in Düsseldorf, 2013-2014 Freiwilliges Soziales Jahr in einer sozialpsychiatrischen Tagesstätte in Düsseldorf, seit 2014 Studium der Medizin in Düsseldorf, 2020-2021 Praktisches Jahr an zwei Krankenhäusern in Deutschland und England mit Wahlfach Neurologie. Ab 2021: Weiterbildung zur Fachärztin, Fachgebiet steht noch nicht fest.