Lustlos, traurig, schlechter Schlaf – aber auch: weniger Stress!

Wie sich die Pandemie auf die Gesundheit von Beschäftigten auswirkt: Drei Fragen an Professor Dr. Elke Ochsmann, Leiterin des Lübecker Instituts für Arbeitsmedizin, zu ihrer aktuellen Studie „Arbeit und Gesundheit in Zeiten der Corona-Pandemie“

Sie haben im Frühjahr bundesweit rund 900 Beschäftigte befragt, wie sie sich vor und nach dem Lockdown im Rahmen der Corona-Pandemie an ihrem Arbeitsplatz fühlen. Dabei haben Sie zwischen der Arbeit vor Ort und im Home-Office unterschieden. Wer lebt gesünder?
Prof. Ochsmann: Die Studie ergab, dass sich der Gesundheitszustand seit Beginn der Pandemie im Durchschnitt für alle Beschäftigten verschlechtert hatte. Dabei gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen der Arbeit vor Ort oder von zu Hause. Mitarbeitende und Führungskräfte nehmen wahr, wie der Lockdown ihre Arbeitsbedingungen verändert und dadurch Körper und Geist belastet.

Es gab aber auch positive Effekte: weniger Zeitdruck, weniger Unterbrechungen bei der Arbeit, ein förderliches Arbeitsumfeld im Home-Office.
Ja! Dennoch klagen die Beschäftigten vermehrt über schlechten Schlaf, Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren. Lustlosigkeit, Kopf- und Magenschmerzen. Viele haben mehr als fünf Kilo zu- oder abgenommen.

Was ist die zentrale Erkenntnis Ihrer Studie für den Arbeitsschutz vor Ort und im Home-Office?
Dass aus Sicht der Beschäftigten ihr eigenes verantwortungsvolles Verhalten ebenso viel zum Schutz vor Corona beiträgt wie Hygienekonzepte des Arbeitsgebers: Abstand halten, Hände desinfizieren, Arbeitsschutzstandards einhalten. Besonders wichtig ist in allen Fällen eine gute Kommunikation auf und zwischen allen Organisations-Ebenen, denn der Großteil der Beschäftigten holt sich Informationen zum Arbeitsschutz von Führungskräften und Vorgesetzten.

Professor Dr. Elke Ochsmann, Leiterin des Lübecker Instituts für Arbeitsmedizin (Foto: © Alexandra Klenke-Struve / Universität zu Lübeck)