Zukunftsjob Arbeitsmedizin: die Lehre als Schlüssel. Wie begeistert man angehende Ärztinnen und Ärzte für das Fach Arbeitsmedizin? Wie stellt man bundesweit die Qualität in der Lehre sicher und motiviert Lehrkräfte, ihre Lehrinhalte so attraktiv und praxisnah wie möglich zu vermitteln? Auf dem zweitägigen Workshop „Qualitätssicherung arbeitsmedizinische Lehre“ im Oktober 2019 erörterten rund 40 Lehrende an Hochschulen Strategien, Ideen und Gute-Praxis-Beispiele, die die Qualität und Attraktivität der Fachdisziplin für junge Studierende erhöhen. Ergebnis: Arbeitsmedizin braucht engagierte Lehrkräfte, mehr Praxisnähe, einheitliche Standards und eine stärkere Vernetzung der bundesweiten Akteurinnen und Akteure.

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    Zwei Tage, vierzig Teilnehmende, jede Menge Gesprächsstoff und ein gemeinsames Ziel: die Arbeitsmedizin zu einem integralen Bestandteil des Medizinstudiums zu machen. Wie? Zum Beispiel durch eine hochwertige Lehre. Ganz im Sinne von Professor Stephan Letzel, Gastgeber und Leiter des Instituts Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universitätsmedizin Mainz: „Jeder Arzt braucht arbeitsmedizinische Kenntnisse.“

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    Was also macht das Studienfach Arbeitsmedizin attraktiv? Mehr Praxisbezug, mehr Interprofessionalität, innovative Lehrmethoden und aktuelle Inhalte! Das ist ein Ergebnis der Tagung „Qualitätssicherung arbeitsmedizinische Lehre“, zu der Professor Stephan Letzel als Vorsitzender des Aktionsbündnis Arbeitsmedizin im Oktober 2019 in die Dresdner Akademie der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung geladen hatte.

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    Rund vierzig Hochschullehrende nahmen an der Tagung teil. Wie eine gute Vorlesung wechselte auch sie zwischen Vortrag, Gruppenarbeit und praktischer Anschauung: Nach einem informativen ersten Vormittag besuchten die Teilnehmenden die „Gläserne Manufaktur Dresden“ , Forschungs- und Innovationslabor der Volkswagen Sachsen GmbH.

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    Eröffnet wurde die Tagung durch Professor Dr. Thomas Kraus, Leiter Institut Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Uniklinik RWTH Aachen und Student Martin Jonathan Gavrysh, Vizepräsident Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V.. Ihr Thema: „Was ist gute Lehre?“ aus Sicht des Lehrenden und des Lernenden. Professor Kraus plädierte für die frühzeitige Berücksichtigung arbeitsmedizinischer Aspekte bei allen medizinischen Lehrinhalten, die in Frage kommen, beispielsweise „Haut“ oder „Herz-Kreislauf-System“. Zudem warb er für interaktive Lehrmethoden, fallorientiertes Lernen und E-Learning oder für den Einsatz von Simulationspatienten. Das A und O aber seien die Lehrenden: „Ihre Motivation ist das Entscheidende.“

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    Medizinstudent Martin Jonathan Gavrysh wünschte sich ebenfalls Dozentinnen und Dozenten, die die Leidenschaft für das Fach weitertragen. Was sie nicht nur über spannende Inhalte wie „Sprechende Medizin“, „Digitalisierung“, „Fachübergreifende Kernkompetenzen“ oder „Interprofessionelle Inhalte“ vermitteln könnten, sondern einfach auch durch Verbindlichkeit: Noch immer wechselten die Lehrenden von Woche zu Woche. Und: Was gelehrt wird, soll geprüft werden. Weg also mit dem Unnötigen!

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    Was macht gute Lehre aus? Dr. Henrike Steudel wurde als Lehrverantwortliche an der medizinischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Teil für ihre gute Lehre ausgezeichnet und nannte drei wesentliche Faktoren: 1. eine Haltung haben und begeistert sein. 2. Studierende beim Namen kennen und direkt ansprechen. 3. Immer und überall arbeitsmedizinische Inhalte mitdenken und Praxisbezüge herstellen. Beispiel: das Studium selbst. Ihre Studierenden analysieren potenzielle Gesundheitsgefährdungen und entwickeln dazu Schutzmaßnahmen. „Dadurch“, so Dr. Steudel, „vermittelt sich der konkrete Nutzen der Arbeitsmedizin ganz von selbst.“

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    Der zweite Workshop-Tag war ganz dem Erfahrungsaustausch gewidmet. Alles kam auf den Prüfstand: Vorlesung, Praktikum, Seminar. In zwei Gruppen erarbeiteten die Teilnehmenden dazu Ideen und Lösungen.

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    Dazu gehörte unter anderem ein Methodenkoffer, der innovative Lehrmethoden und -materialien enthält. Einig waren sich die Teilnehmenden darin, dass die Vorlesung nach wie vor unverzichtbar sei. Sie könne zwar durch E-Vorlesungen, Webinare und Seminare ergänzt, aber nicht ersetzt werden. Seminare wiederum sollten aktuellste Themen aufgreifen wie Burnout, Mobbing oder Reisemedizin. Wann immer möglich, sollten Lehrende den Kontakt zu den Studierenden suchen.

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    In der anschließenden Diskussion verabredeten die Teilnehmenden, dass eine gemeinsame Online-Plattform mit allen relevanten Informationen aufgebaut werden soll. Darüber hinaus wollen sie die Leistungen des Aktionsbündnisses für Studierende in ihren Hochschulen stärker bewerben und bis zum nächsten Treffen am 20. / 21. August 2020 weitere Gute Praxis-Beispiele für den Austausch sammeln.

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    „Ziel der Tagung war es, sich austauschen, zu vernetzen und voneinander zu lernen“, so Professor Stephan Letzel, dessen Aktionsbündnis Arbeitsmedizin die Veranstaltung initiiert hatte. Zurzeit laufe eine Befragung zum Studienangebot an allem 38 Universitäten mit Lehrstuhl Arbeitsmedizin. Die Ergebnisse werden weiter Aufschluss geben über die Güte und mögliche Entwicklungsperspektiven. Diese können durch das neue Netzwerk gefördert werden. Professor Letzel: „Der Anfang ist gemacht.“